Dienstag, 5. März 2013

Die Mittelschicht löst sich auf. Das hat inzwischen nicht nur Gerald Hörhan, der mit seinem Buch Investment Punk 2010 für Aufsehen sorgte, sondern auch ein Großteil der Uni-Absolventen verstanden. Die sicheren, guten und bodenständigen Jobs wird es bald nicht mehr oder zumindest nicht mehr ausreichend geben. Gleichzeitig gibt es einen Wandel der Arbeitskultur: junge Menschen wollen projektbezogen und flexibel auf Rechnung arbeiten, statt sich für viele Jahre einem Job mit festem Gehalt und festen Arbeitszeiten zu verschreiben. Die ältere Generation kann dazu nur den Kopf schütteln, hat kein Verständnis für die Herausforderungen und Vorteile der neuen Arbeitswelt.



Bei "Work in Progress - Kongress zur Zukunft der Arbeit" ging es um neue Arbeitsformen. Formen der Kollaboration, Möglichkeiten der sozialen Absicherung für Freiberufler und vieles andere wurde diskutiert. Immer mehr Fachkräfte werden, besonders im Bereich der Kreativwirtschaft, als feste Freie und nicht mehr in regulären Arbeitsverhältnissen angestellt. Die Folge: eine zunehmende Freiheit, aber auch Unsicherheit in der Arbeitswelt. Lösungen konnten die Referenten nur begrenzt anbieten, immerhin aber die Aufmerksamkeit auf die relevanten Fragen lenken und zumindest eine Einschätzung der Tendenzen, denen wir bevorstehen, abbilden.
Die Fragen, die sich stellen, sind: In welchen Bereichen werden in Zukunft Fachkräfte gebraucht werden, welche Branchen werden durch Technisierung immer weiter schrumpfen und wie organisiert der moderne Mensch seinen Berufsalltag? Wie gehen wir mit der zunehmenden Unsicherheit um, welche Qualifikationen müssen wir erlernen, um auf einem weltweiten Markt wettbewerbsfähig zu bleiben und welche Ansprüche stellen wir an unsere Jobs?

Und: welche Rolle kann das staatliche Bildungssystem in diesem Prozess einnehmen? Sowohl Gerald Hörhan als auch die Referenten und Teilnehmer des Work in Progress kritisierten zurecht, dass die Schule einen nicht ausreichend auf die Anforderungen und Möglichkeiten der Selbstständigkeit vorbereitet. Das Konzept der Selbstständigkeit existiert im Lehrplan der Schulen schlicht gar nicht!
Vermittelt werden immer noch die inzwischen veralteten und wie Investment Punk überzeugend darlegt wirtschaftlich total widersinnigen Vorstellungen von der 9-5 Festanstellung, nach der man den Nachmittag mit seiner Familie im Eigenheim in den Vororten der großen Stadt, in der man arbeitet, ausklingen lässt. Dass solche Eigenheime fast immer an Wert verlieren, der Kredit, den man dafür aufnehmen musste, einem die Freiheit nimmt, sich in seinem Beruf neu zu orientieren und zu entfalten, da man die Abhängigkeit zum Arbeitgeber noch erhöht, und das die eigene wertvolle Zeit im Pendeln absolut falsch investiert ist, liegt eigentlich auf der Hand. Es nachzulesen lohnt sich trotzdem: Investment Punk gibt es bei Amazon bereits ab 8,99 Euro.





Minzgeschmack - Hilfreiches für Start-Ups

Mittwoch, 30. Januar 2013

City-check Kopenhagen: the branded city.
Das die Dänen mehr Stil haben als wir Deutschen, wissen wir schon lange. Durch Kopenhagen zu laufen und zu sehen, dass jeder, der einem begegnet, schön ist, ist aber etwas völlig anderes. Man kann sich schon etwas out of fashion vokommen zwischen diesen ganzen tollgekleideten Menschen, die es irgendwie perfekt schaffen, Markenklamotten mit Second Hand zu mischen und so weder überstyled noch unauffällig auszusehen.
Kopenhagens Innenstadt ist eine Mischung aus Mönckebergstraße und Marktstraße. Auch die Läden schaffen die Symbiose aus Marken und günstiger Kleidung. Und wie nicht anders zu erwarten überträgt sich dieses Prinzip auch auf die Werbung: vor XXL Plakaten in Ausmaßen, die man in Hamburg nur im Hauptbahnhof findet, stehen menschliche Werbeschilderträger zum Mindestlohn in der Kälte.




Minzgeschmack - The world is ours

Sonntag, 27. Januar 2013

This is why Iceland is cooler than you: Wer downtown Reykjavik in den Buch- und Touriladen Ida geht, wird schnell feststellen: Die Isländer haben uns einiges voraus. Neben internationalen Designmagazinen, die es in Deutschland nur im Fachhandel oder Internet gibt, bietet der Laden die coolste Auswahl an europäischen und amerikanischen Kunst- und Kreativbüchern.
So beispielsweise das Buch Stencil Republic, das Vorlagen zum selbersprühen namenhafter StreetArt Künstler enthält oder die Notizbücher des Prager Labels Deafmessanger, denen vereinzelt Buchseiten oder alte Bilder beigefügt sind.






Minzgeschmack - The world is ours

Freitag, 25. Januar 2013

City-check Reykjavík: art & nightlife.
Reykjavík ist als Zentrum zeitgenössischer isländischer Kultur bekannt für seine interessanten Ateliers und Konzerte. Die meisten sehenswerten Orte befinden sich in der Nähe des Laugarvegur, der Hauptstraße der Innenstadt Reykjavíks. Wer nur eine oder zwei Nächte in Reykjavík bleibt, sollte sich trotzdem über die coolsten Orte informieren. Hier einige Favoriten:
Prikid, tagsüber Restaurant, abends Hip Hop Club, überzeugt vor allem im Sommer durch die Terasse im Innenhof, deren Grafitti regelmäßig erneuert werden. Kaffibarinn wartet jeden Abend mit einem Live-Act oder Dj auf, und obwohl die Qualität der Sets nicht mit deutschen Standards vergleichbar ist, lässt sich über die Tracklist der ElektroDjs nicht klagen.
Wer sich für StreetArt interessiert sollte auf Höhe des MacStores vom Laugarvegur abbiegen. Dort findet sich ein interessantes Nachbarschaftsprojekt, das neben der Gestaltung der Wände auch einen Spielplatz und einen Umsonstladen beinhaltet.








Minzgeschmack - The world is ours

Sonntag, 20. Januar 2013

"Beograd Gazela. Reiseführer in eine Elendssiedlung" ist eine wissenschaftliche Analyse der Entstehungsgeschichte, Lebensumstände, des Alltags und der Kultur der im Belgrader Slum Gazela lebenden Menschen. Die Autoren Lorenz Aggermann, Eduard Freudmann und Can Gülcü haben sich mehrere Monate mit dem zwischen der Autobahn und der internationalen Bahnstrecke befindlichen Landstück, auf dem ca. 800 Menschen in Hütten und Baracken ihr zu Hause gefunden haben, beschäftigt und liefern interessante und ausführliche Informationen. Gleichzeitig ist der Text nicht zu ausschweifend, sondern aufs Wesentliche fokussiert und somit angenehm lesbar. Die vielen Fotos untermauern den Text und geben dem Leser das Gefühl, in das Leben in Gazela eintauchen zu können.


Besonders interessant: Der untere Teil der Seiten zeigt Ausschnitte aus einer Diskussion zwischen den Autoren und einer Publikumsgruppe, die besonders die kritischen Aspekte einer solchen Forschung hinterfragt und eingesteht.



Der Reiseführer kann für 19.80 Euro im Drava Verlag bestellt werden.



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